Snus World Wide » Produktpräsentation » Geschichte des Snus
Ein Rückblick

Einleitung
In Schweden existiert eine lange Tradition der Herstellung und Anwendung von Mundtabak, der hier Snus heißt.

Im Jahre 1822 begann Jacob Frederik Ljunglöf mit der Herstellung eines Produktes, aus dem später der moderne Snus entstand. Ljunglöf führte neue maschinelle Fertigungsmethoden ein, die seinem Snus mehr Qualität und eine größere Ausbreitung bescherten.

Sein Geist beflügelt auch heute noch die Hersteller in Schweden, z.B. in ihrem Streben nach ständigen Verbesserungen. Oder in Form einer nach ihm benannten Snus-Marke, "Ljunglöfs Ettan", was soviel wie "Ljunglöfs Beste" bedeutet.


Tabak für Europa
   
    Columbus
Auf seiner ersten Reise nach Amerika entdeckte Christopher Columbus den Tabak - für Europa, wohlgemerkt. Denn auf einer westindischen Insel kannte man ihn bereits. Die Eingeborenen kauten oder rauchten Blätter, die sie "tobago" nannten.

Dieses neue Genußmittel sollte schon bald auch in Europa populär werden. Zunächst aber wurde es als Arznei verabreicht. Jean Nicot, nach dem später der Wirkstoff Niktion benannt wurde, führte Schnupftabak als Medizin am französischen Hofe ein. Als dann die Königin Catarina di Medici erklärte, der Schnupftabak hätte sie von ihrem Kopfweh befreit, nahm die Popularität des Tabaks rasch zu. Es entstand die Sitte, eine Prise Tabak zu nehmen, "tabac á priser".

Die neue Sitte erreichte Schweden. Jonas Alströmer führte die Tabakspflanze ein, nachdem er vorher schon die Kartoffel in Schweden heimisch gemacht hatte. Während der Zeit von Karl dem 11. wurde die Kampfmoral schwedischer Soldaten mit den heimischen Produkten Schnaps und Tabak aufrechterhalten. Anbau und Zubereitung von Tabak entfalteten sich als bedeutende Erwerbszweige, und das bis ins 19. Jahhundert hinein.


Schweden erfindet den Snus
Mit dem Ende der französischen Revolution verging die große Bedeutung des Schnupftabaks. Stattdessen verbreitete sich das Rauchen von Zigaretten und Pfeifen. Da aber das gemeine Volk während der täglichen Arbeit die Hände nicht frei hatte, erwies sich letztlich der Kautabak als praktischer. Es war recht aufwendig, den Tabak auf die rechte Weise zu drehen und zu flechten, und das Endprodukt war den Leuten zu teuer. Stattdessen setzte sich eine preiswertere Tabakzubereitung durch, der feuchter Mundtabak. Er kam den hart arbeitenden Massen mit dem leerem Geldbeutel gerade recht. Was man zu seiner Herstellung benötigte, war eine Getreidemühle, mit der man genausogut Tabak mahlen konnte. Diese neue Tabakvariante wurde über alle Maßen populär: so war der Tabakkonsum innerhalb nur eines Jahrhunderts, am Schluß des 19. Jahrhundert, von Null auf ein Kilogramm pro Person und Jahr gestiegen.

Während des 19. Jahrhunderts entwickelten die Schweden wie erwähnt den trockenen Schnupftabak weiter zu einem feuchten und aromatischen Kautabak. Dessen Geschmack war sicher weit entfernt von dem des modernen Snus. Rohware waren die mageren schwedischen Tabakpflanzen, und zur Herstellung des Kautabaks ließ man Tabakmischungen auf einem Haufen reifen und schwitzen. Um zu verhindern, daß der snus anbrannte, hielt man die Mischung auf niedriger Wärme. Deswegen konnte es ein halbes Jahr dauern, bis der Tabak fertig war. Bakterien gediehen prächtig. Insgesamt ein einfacher Prozess, und viele wollten als Snushersteller davon profitieren. Um den muffigen Geschmack zu verbergen, wurden den Snussorten verschiedene Geschmacksstoffe zugesetzt. Dafür einige Beispiele: Nelken, Pimpinella, Feigen, Malz, Wein, Wacholderbeere, Sirup. Ein Snusfabrikant nahm es jedoch sehr genau mit der Qualität des Kautabaks, und er wollte den reinen Geschmack von Tabak, Salz und Wasser erhalten. Er hieß Jakob Friedrich Ljunglöf (1796-1860).


Jacob Fredrik Ljunglöf
Mit 17 Jahren verlegte Ljunglöf seinen Wohnsitz nach Stockholm, und da nahm er Arbeit bei Clas på hörnet auf, was "Clas an der Ecke" bedeutet und eine Kombination von Kneipe und Tabakfabrik darstellte. Nach 7 Jahren hatte sich der junge Ljunglöf einen so tadellosen Ruf als Tabakhersteller wie auch als Buchhalter erworben, daß er bei der bekannten Lundgren-Anderssonska Tabakfabrik eintreten konnte. Das Werk auf der Drottninggata 81, gegründet im 17.Jahrhundert, galt als eines der ältesten des Königreiches. Ljunglöf setzte jedoch auf ein eigenes Warenzeichen. 1822 erhielt er die erforderlichen Stadtprivilegien, die ihn ermächtigten, Tabakwaren auf seinen eigenen Namen zu fertigen. Als der alte Werksbesitzer starb, konnte Ljunglöf die Fabrik übernehmen. Als Gegenleistung mußte er der Witwe 110.000 Reichstaler zahlen, nach heutigen Maßstäben 6 Millionen Kronen oder 550.000 Euro.


Neuer Herstellungsprozeß
Ljunglöf war davon besessen, die Snusqualität zu steigern. Der Schlüssel dazu lag in der Verkürzung des Fertigungsprozesses. Ljunglöf hatte einen Chemiker zum Freund namens Jöns Jacob Berzelius. Es ist nun nicht bekannt, ob Berzelius seinem Freund half, jedoch konnte Ljunglöf die Schwitzkur deutlich auf nur eine Woche verkürzen. Und er verwandte keinerlei Zusätze, sondern gabe der Marke Ettan den reinen Geschmack von Tabak, Salz und Wasser

Ljunglös hatte stets ein Auge auf die verwendeten Tabaksorten. Nur Tabak der besten Qualität kam in Betracht. Sowie der Verkauf nach oben schnellte und der Import leichter wurde, konnte feinerer Tabak eingeführt werden. So wird für Ettan hautpsächlich Tabak aus Virginia verwendet.


Besserer Transport
Zu Lungslöfs Zeiten verliefen die Transporte gemächlich und Verpackungen waren weit entfernt von der nötigen Dichtigkeit. Ljunglöf sorgte sich vor allem um die Snus-Qualität, und deshalb widersetzte er sich lange dem Verkauf in weite Ferne. Mit dem Ausbau der Eisenbahn jedoch konnte Ljunglöf beruhigt einen stetig wachsenden Kundenkreis gewinnen. Ljunglöf wurde in ganz Schweden berühmt.


Neue Snusfabriken
Der Snusverkauf hatte sich vervielfacht. Die Snusfabrik wurde von der Drottningsgata in einen kompletten Gebäudeblock an der Badstugatan (später Sveavägen 40-44) verlegt. 1839 war die Produktion soweit angestiegen, daß die Fabrik nunmehr zur Luntmakargatan 19 verlegt wurde. Dort wurden die Gebäude einer Brauerei übernommen und mit der modernsten Technik versehen. Die Qualität wurde nach wie vor von Ljunglöf persönlich überwacht.


Snusnamen
Der Name N:o 1 bezeichnete zu dieser Zeit die Spitzenmarke eines Snusherstellers. Mit N:o 2 und N:o 3 bezeichnete man die weiteren Qualitäten. Schließlich wurde Ljunglöfs N:o 1 so populär, daß es im Volksmund nur noch "Ettan" (die Erste) hieß, und damit war nur die Marke von Ljunglöf und keine andere gemeint.

Eine andere Bezeichnung auf dem Markt war Generalsnus. Damit war ein gewöhnlicher Snus gemeint, einer ohne eigenes Warenzeichen. Das Rezept des Generalsnus wurde den jeweils erhältlichen Tabaksorten und den jeweils verfügbaren Zutaten angepaßt.

Andere damalige Marken mit größerer Verbreitung waren Röda Lacket aus Norrköping, Friskens Norrlandssnus aus Hudiksvall, Prestsnus aus Göteborg und Stockholmssnus aus Kockums in Malmö.


Knut Ljunglöf tritt in Vaters Fußstapfen
Nach dem Tode von Jacob Frederik Ljunglöf übernahm sein Sohn Knut (1833-1920) die Geschäfte. Der Sohn hatte die Leidenschaft seines Vaters für Snus und die Qualität des Snus geerbt. Jeden Tag bestellte er eine Probe der Tagesproduktion, die er kontrollierte, bevor sie für den Verkauf freigegeben wurde.


Ein größerer Markt für Snus
Noch eine Erfindung erblickte das Tageslicht: das Staniolpapier, eine Metallfolie aus Zink oder Blei. Verpackt in Staniolpapier konnte Snus nun einem weitaus größeren Kreis zugänglich gemacht werden. Immer weiter von Stockholm entfernt. Einer von Ljunglöfs vornehmsten Kunden war der Papst Leo XIII. Hocherfreut waren auch die Emigranten. In den Hungerjahren Mitte des 19. Jahrhunderts war ein Viertel der schwedischen Bevölkerung nach Amerika ausgewandert. Findige Emigranten begannen schon bald mit der Snusherstellung. Im Vergleich zu den modernen Methoden jedoch mit einem quasi mittelalterlichen "Reifungsprozeß". Man verlieh ihm Namen, die an die alte Heimat erinnerten, doch keiner schmeckte wie der schwedische Snus. Vor allem nicht wie Ljunglöfs Snus. Von der Not der Emigranten zeugt ein Bericht der Göteborg-Post aus dem Jahre 1869:

" Was den Schweden wirklich hart trifft, ist, daß es für Geld keinen vernünftigen Snus zu kaufen gibt."


Monopol
In der Folge stieg der Verkauf von Ljunglöfs Snus gleichmäßig an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in den USA nur einen Hersteller, der mehr verkaufte als Ljunglöf. Die Marke Ettan war die Nummer 2 in der Welt, und die Verkaufszahlen kletterten weiter nach oben. Der Todesstoß für Knut Ljunglöf kam, als die Snusfabrik in der Badstugata gerade fertig ausgebaut war. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde das drohende Tabakmonopol Wirklichkeit. Nun sollte der Gewinn der Tabakindustrie in den Ausbau der schwedischen Rentenversicherung fließen. Knut Ljunglöf mußte aufgeben. Er betraute seinen Sohn Robert mit der Abwicklung seiner Snusfabrik.

1915 wurde Ettan, sowie auch alle anderen schwedischen Tabakfabrikate, verstaatlicht. Der Treuhänder des Staates war recht verwundert über die großen Mengen Virginia-Tabak im Ljunglöf-Lager. Robert Ljunglöfs souveräne Antwort: "Sonst wird es kein Ettan".


Der Staat übernahm an die hundert verschiedene Snusmarken, aber Ljunglöfs N:o 1 war die einzige Marke, die landesweit im Handel war.

Die Produktion in der Luntmakargata wurde bis in die 20er Jahren des letzten Jahrhundert weitergeführt, und dann den übrigen Anlagen des Tabakmonopols zugeschlagen. 1967 wurde das Tabakmonopol aufgelöst. Die Svenska Tobaks AB übernahm die Snusproduktion. Die Snusherstellung für Svenska Tobaks landete schließlich bei Hultmans Holme am Göta Fluß in Göteborg.

Seit 2003 sind viele neue Snushersteller und Snusmarken auf dem schwedischen Markt erschienen. So etwa die Marke Skruf, hergestellt in Småland, Gustavus und LD aus der Nähe von Göteborg und Mocca und Granit aus Malmö.

Frei nach der Quelle: "Der Snuskönig - Ljunglöfs Ettan und der Schweden -Snus", Tabaksmuseum Gubbhyllan, Skansen. Stockholm 1999.